Petzen ist peinlich? Von wegen! Zumindest scheint das nicht für die fast 1000 Singles zu gelten, die sich auf dem Petz-Portal „Koydo“ tummeln und munter Intimitäten über ihre Dates ausplaudern.
„Koydo – Das Single-Bewertungs-Portal. Finde heraus, was andere über Dein Date sagen – bevor Ihr Euch trefft! Bei uns findest Du Bewertungen von Singles, für Singles, über Singles.“
Ich wage mal die vorsichtige Prognose, dass diese Singles auch Singles bleiben werden. Oder würden Sie sich mit jemandem treffen, von dem Sie schon vorher wissen, dass er Sie nachher als super Lach- oder Sex-Nummer für alle sichtbar im Internet ausstellt? Richtig! Daran hat der Betreiber von Koydo natürlich auch gedacht und allen wadenbissigen (Ver)Urteilern die Möglichkeit eröffnet, sich hinter einem extra Petz-Namen zu verstecken. Hier einige Vorschläge von mir zur expressiven Namensgebung: “schlechter_geschmack_2010″, “voll_daneben”, “kotzbrocken”, “geht_garnicht”, “proll” – und falls der schon besetzt ist: “voll_proll”.
“Koydo-Interruptus” dank Datenschutz?!
Nur die Anderen – die Bewerteten – die stehen wehrlos mit ihrem aktiven Nickname und der entsprechenden Partnerbörse im Netz. Na bravo!!! Net(t)iquette war gestern?! Zwar beschäftigen sich derzeit die Datenschützer mit dem “Petz-Portal”, so dass es – hoffentlich bald – zum “Koydo-Interruptus” kommt – was im folgenden Fall natürlich etwas verspätet käme? Aber lesen Sie selbst:
Er über Sie: “Anscheinend ist Paris Hilton ihr großes Vorbild. Leider steht sie ihr in geistiger Hinsicht in nichts nach...” Man erfährt, dass ‚Mann‘ Sex mit der Dame hatte, obwohl sie „überhaupt nicht sein Fall ist“. Spätestens hier fragt sich der geneigte Leser natürlich, wer hier die schlechte Vorstellung abliefert.
Ob’s wahr ist? – Wen juckt’s?
Unüberprüfbar bleibt der Wahrheitsgehalt dieser Aussagen in jeder Hinsicht. Ein „Feedback“ ist schnell geschrieben und steht sofort sichtbar im Netz. Geprüft wird einzig und allein der frei wählbare Kommentar. Schlimmstenfalls wird der von der Redaktion zensiert und mit Sternchen überschrieben. Hier einige unzensierte „Sternstunden“ bei denen sich die Schreiber selbst auf’s Glatteis führen:
- „PiaNist“ warnt vor „LilliBird“: „…kann man sehr sehr leicht rumkriegen, das sei mal gesagt!!!“ Als Leser wundert man sich, dass ihn das wundert – er tummelt sich schließlich auf einer Seitensprung-Plattform (Firstaffair).
- 3 Damen daten zeitgleich „Badboy“. Bei Zweien hat er spätestens beim 2. Date „alles gehalten, was er versprach“ – und diese Damen sind entsprechend fröhlich. Der O-Ton der Dritten im Dreiecks-Verhältnis: „… er war sehr höflich und charmant aber er hat mich selbst nach dem 5. Date immer noch nicht geküsst. Braucht wohl immer ein bisschen länger...“
- Bei den Herzbuben steht er ganz oben auf dem Siegertreppchen: Misterloverlover! Er glänzt gleich mit fünf Bewertungen. Alle Damen schwärmen in den höchsten O-Tönen. Sexymexice am 25. November 2009: „Mr Lover Lover ist nix gegen den hier. Ich sag nur super Sex Mr SuperLover. Schade dass wir uns nicht mehr sehen können… ist nämlich längere Zeit weg!“ („Weg“ scheint mir allerdings falsch formuliert. „Ausgebucht“ wäre zutreffender, denn MisterLoverLover hat in den nächsten Tagen noch weitere vier Damen beglückt, wie man aus seiner umfangreichen Feedback-Sammlung erlesen kann.
Schön (blöd), wenn man sich selbst verpetzt!
Petzen ist also doch peinlich! Besonders (schön), wenn sich die Petzer dabei gleich selbst bloß stellen. Einige Rache-‚Engel‘ nutzen die Plattform offensichtlich um sich – ganz platt – den Frust vom gebrochenen Herzen zu schreiben. Einige Schlau-Männer um sich – zu offensichtlich – selbst gleich mehrmals zum 5-Sterne-Lover zu erheben. Möglicherweise liegt hier auch der wahre Nutzen von Koydo, das so langsam zur Selbst-Bewertungs- und Bewerbungs-Plattform von Call-Boys und –Girls wird?
Egal. Wer hier mitmacht ist selber schuld. Das einzige Petzen, dem ich Gutes abgewinnen kann, liegt in Kärnten und bietet einen herrlichen Ausblick über das Jauntal und seine Berge: http://www.petzen.net