Guten Rutsch ins neue Glück!

Eine entfernte Bekannte hatte eine Weihnachtsgeschichte der anderen Art zu erzählen. Ziemlich durch den Wind rief sie mich kurz nach Weihnachten an und erbat sich Rat: Ihr Lebensgefährte Paul, mit dem sie seit über fünf Jahren zusammen ist, tanzt, so scheint es, auf zwei Hochzeiten. Das scheint schon länger so zu gehen, aber er konnte das in der Arbeitshektik durch beruflich vorgeschobene Termine gut kaschieren. Stutzig wurde meine Bekannte zur stillen Weihnachtszeit, wo es ja eigentlich in den Firmen nicht so viel zu tun gibt. Er „seilte“ sich am ersten Weihnachtsfeiertag ab, am zweiten auch, sogar bis spät in die Nacht. Die Ausreden („ein Freund ist in der Stadt“) waren irgendwie dünn, sein Handy schaltete er aus, sobald er unterwegs war. Da dämmerte es ihr langsam: Paul hatte wohl noch einen zweiten Christbaum zu pflegen … Brigitte: „Scheißkerl!“

Sie stellt ihn zur Rede, und seine Reaktion bestätigte sie in ihrer Vermutung: Er gab es zwar nicht zu, eine Geliebte zu haben und stritt alle Verdächtigungen ab, andererseits klang sein Dementi so kraftlos und lasch, dass bei ihr alle Alarmglocken noch lauter schrillten. Er sagte nicht klar und deutlich: „Nein, ich habe keine andere! Ich habe keine andere getroffen, und mit keiner anderen geschlafen!“, sondern mehr so Sachen wie: „Was denkst du denn?“, „Was sollen denn diese Vorwürfe?“, „Willst du uns Weihnachten verderben?“ und so weiter.

Man sagt zwar In dubio pro reo, also im Zweifel für den Angeklagten – das ist auch ein guter Ratschlag für Beziehungen, um Überreaktionen zu vermeiden, aber hier scheint die Sachlage recht klar. Brigitte vertraute ihrem Bauchgefühl und sagte zu Paul: „Pack deine Geschenke zusammen und verzieh dich damit unter deinen anderen Christbaum!! Dieser Jahreswechsel findet ohne dich statt!“

Paul war perplex wie selten. Und Brigittes Konsequenz löste in ihm ein Last-minute-Geständnis, mit dem er hoffte, doch noch etwas retten zu können. Als aus dem Verdacht Klarheit geworden war, blieb Brigitte erst recht bei ihrem Entschluss: „Geh zu der anderen, und hab einen guten Rutsch ins neue Jahr!“

Man muss sehr charakterfest sein, um so zu reagieren, wie Brigitte. Die meisten Menschen, egal ob Frau oder Mann, bringen diese Härte (auch gegen sich selbst) nicht auf. Oft macht man lieber einen faulen Kompromiss, als den Partner ganz zu verlieren – und dieses Schicksal trifft Männer übrigens mindestens so häufig wie Frauen. Betrüger und Betrogene gibt es auf beiden Seiten.

Nun bin ich nicht päpstlicher als der Papst, ich habe prinzipiell nichts gegen Dreiecks- oder auch Mehrecksbeziehungen einzuwenden – wie Sie auch in meinen Büchern nachlesen können. Vorausgesetzt allerdings, man bekommt das ohne Lügen hin. Den Partner betrügen – das ist billig, und das kann jeder.

Eine Beziehungsform zu finden, in der man offen und ohne sich zu hintergehen eine Ménage à trois bildet – das ist dann eher die hohe Schule der Liebesarithmetik, die sich die meisten von uns nicht zumuten wollen: Es ist anstrengend und erfordert von allen Seiten hohe Sensibilität und ständige Nachjustierung des Status quo.

Brigitte wäre für sowas nicht zu haben. Auch dann nicht, wenn die Karten auf dem Tisch liegen. Aber ganz und gar nicht in Form eines Betrugs. Paul hat deswegen schlechte Karten. Beiden wünsche ich: Guten Rutsch ins neue Glück! [oder vielleicht zurück ins alte].
[Namen geändert]

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Bücher von Armin Fischer

Ein Kommentar

  • [...] Eine entfernte Bekannte hatte eine Weihnachtsgeschichte der anderen Art zu erzählen. Ziemlich durch den Wind rief sie mich kurz nach Weihnachten an und erbat sich Rat: Ihr Lebensgefährte Paul, mit dem sie seit über fünf Jahren zusammen ist, tanzt, so scheint es, auf zwei Hochzeiten. Das scheint schon länger so zu gehen, aber er konnte das in der Arbeitshektik durch beruflich vorgeschobene Termine gut kaschieren. Stutzig wurde meine Bekannte zur stillen Weihnachtszeit, wo es ja eigentlich in den Firmen nicht so viel zu tun gibt. Er „seilte“ sich am ersten Weihnachtsfeiertag ab, am zweiten auch, sogar bis spät in die Nacht. Die Ausreden („ein Freund ist in der Stadt“) waren irgendwie dünn, sein Handy schaltete er aus, sobald er unterwegs war. Da dämmerte es ihr langsam: Paul hatte wohl noch einen zweiten Christbaum zu pflegen … Brigitte: „Scheißkerl!“ mehr.. [...]

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