Ohne Mut keine Liebe!?

Gestern. Auf dem Hamburger Hauptbahnhof. Es ist ziemlich früh. Mit einem großen Kaffee „to go“ in der Hand bewege ich mich – trotz des „to gos“ – mit gefühlter halber ‚Reise’-Geschwindigkeit in Richtung meines Abfahrgleises.

Richtig wach fühlt sich anders an, aber ich habe auch noch einige Stunden Zeit, bevor ich zur Höchstform auflaufen muss. Warum sich also nicht den Luxus gönnen und ein bisschen tagträumen?

Ich höre die zarte Stimme, die mehrfach „Hallo! Entschuldigung!“ hinter mir ruft, zwar, aber meine halbaktiven Hirnwindungen pumpen diese Information nur äußerst schleppend an die Stelle für „Verständigung mit der Außenwelt“, sodass ich fast erschrecke, als mich eine zierliche Frau, so um die 40, mit schnellen Schritten überholt und knapp vor der Treppe zum Gleis stoppt.

„Sind Sie nicht die Autorin von INS NETZ GEGANGEN?“ Ich bin mir wohl bewusst, dass ich in meinem halbschlafwandlerischen Zustand einer Grundsatzdiskussion über Themen wie „Internet-Partnersuche, ihre Stärken und Schwächen in Zeiten des Energiewandels…“ geistig gerade nicht gewachsen bin und antworte mit einem vorsichtig-fragenden „Ja!?“

Der Wattebausch, in den sich mein Organismus morgens ganz gern hüllt, damit sich die tägliche Hektik nur langsam infiltriert, scheint sich schlagartig aufgelöst zu haben. Liegt es an diesem besonderen Gemütszustand so früh am Morgen, der noch näher an der Emotion angesiedelt ist als am Intellekt, dass ich sofort spüre, dass diese Frau viel Leid mit sich herum trägt? Ich habe fast eine Gänsehaut, so sehr strahlt ihre Gemütsverfassung nach außen: Ihre Haut wirkt fahl, die Augen haben dunkle Ränder, sie wirkt wirr. Nicht bei sich.

In der nötigen Kürze, die so ein Zufallstreffen am Bahnhof verlangt, erzählt sie, dass Sie im Internet einen Mann kennengelernt hatte. Die große Liebe! Nach einiger Zeit mit ihren beiden Kindern zu ihm gezogen ist und nach sechs Wochen des Zusammenlebens vor die Türe gesetzt wurde. „Ich bin so unglücklich, habe einen so extremen Liebeskummer und schaffe es gerade, mich morgens zur Arbeit zu quälen und die Kinder irgendwie zu versorgen. Wie kann man sich so vertun in einem Menschen?!“ Ihre Augen füllen sich dabei mit Tränen, die sie aber tapfer zurückzuhalten versucht. Wer will schon in aller Öffentlichkeit weinen?

Oh, Mann. Harter Tobak so früh am Morgen! Und dann noch dieser Zeitdruck. Der Zug kommt gleich. Ich erzähle ihr, dass ich auch durchaus schlimme Zeiten während meiner Partnersuche hatte und auch schon wie eine leere Hülle durchs Leben gelaufen bin. Um mich herum gefühlte Dunkelheit. Selbst im hellen Sonnenschein. Ständiges Frösteln, das nichts mit der Außentemperatur zu tun hatte. Das Gefühl, in einem tiefen dunklen Tal zu sitzen und zu kraftlos zu sein, um je wieder dort heraus zu kommen. Liebeskummer. Das Gefühl kennt doch jeder!

„Lohnt es sich denn, weiter zu suchen?“ fragt sie zaghaft. „Möchten Sie denn Ihr Leben allein verbringen?“ meine Gegenfrage. Ein deutliches „Nein!“ ihrerseits. „Dann bleibt Ihnen wohl nichts anderes übrig, als weiter zu suchen.“ Mein Zug wird schon angekündigt!

„Und um Ihre Frage zu beantworten, ob das Alles einen Sinn hat: Ja! Ich habe meinen Partner im Netz gefunden und inzwischen sind wir schon dreieinhalb Jahre glücklich.“ versuche ich, ihr Mut zu machen. Ich gehe kurz ins Detail. Erzähle ein bisschen aus meinem derzeitigen Leben – den kleinen Querelen, Problemchen und den Glücksmomenten. Alltag halt! Das scheint ihr gut zu tun.

„Und was das Internet als Hilfsmittel betrifft: Ohne wäre ich wahrscheinlich immer noch solo, denn im realen Leben habe ich über Jahre niemanden kennengelernt, und dass im Netz die schlechteren Menschen unterwegs sind, das glaube ich kaum. Da ist der Querschnitt der Bevölkerung zu finden: Nette, schlimme, tolle, doofe. Es wurden ja keine neuen Menschen extra für die Internet-Partnersuche erfunden. Die im Netz sind, können Ihnen alle auch im realen Leben begegnen.

Ich glaube, dass nicht das Internet, sondern die vielen kleinen Verletzungen unserer Seele – verlorene Lieben, Enttäuschungen, Probleme mit den Eltern – Schuld daran sind, dass wir gerade im ‚besten‘ Alter solche Probleme haben, einen passenden Partner zu finden.“ erkläre ich weiter. „Ganz am Anfang meiner Beziehung mit meinem Mr. Right habe ich in seinem Freundeskreis tolle Männer ausgemacht, die ich schon in Gedanken an meine Freundinnen vermittelt habe. Das habe ich dann doch gelassen, als ich nach einiger Zeit hinter die Fassaden geblickt habe.

Es ist erschreckend, wie viele unbearbeitete Päckchen mit Altlasten manche Menschen mit sich herum tragen. Viele sind dadurch tatsächlich beziehungsunfähig. Manche wissen um ihren Zustand. Andere halten sich für völlig normal. Für Außenstehende ist dieser Zustand auf den ersten Blick oft nicht erkennbar. Dann entstehen solche Situationen, wie Sie es gerade durchmachen müssen.“ Ihre Augen glänzen wieder verdächtig, aber sie bleibt tapfer, kriegt sogar ein Lächeln hin: „Soll ich denn weiter suchen? Hat das Sinn?“

„Natürlich hat das Sinn. Irgendwo ist ein Mann, der mit seinen Altlasten, die wir ja alle mit uns herum tragen, umgehen kann und der zu Ihnen passt. Lassen Sie jetzt ihre Wunden erst mal heilen. Das ist wichtig. Das Netz ist nämlich nicht nett zu angeschlagenen Seelen. Und wenn sie wieder klar sehen, dann versuchen Sie es neu.

Und lassen Sie sich Zeit dabei. Wenn Sie Mr. Right finden, dann läuft der auch nicht weg, wenn Sie diese Beziehung langsam angehen.“ Es ist so wenig, was man tun kann, wenn jemand Liebeskummer hat und so tief im Leid steckt. Ich muss mich verabschieden: „Und ich bin mir ganz sicher, dass Sie einen tollen Mann finden werden!“, gebe ich ihr noch mit auf den Weg.

Der Zug fährt ein. Ich eile nach unten. Es tut mir unendlich leid, dass ich nicht mehr Zeit für sie hatte. Vielleicht habe ich ihr ja wenigstens ein bisschen Mut machen können? Ich hoffe es. Irgendwie geht sie mir danach den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf…

 

Mutig ist nur derjenige, der auch die Angst kennt!

 

Sie hat mich an dieses quälende Gefühl des Liebeskummers erinnert: Dieses Neben-sich-Stehen, der Kraftaufwand, den es braucht, um morgens einfach nur aufzustehen, dieses innere Frösteln, diese farblose, kalte Welt voller Einsamkeit und ohne Freude, die schier endlos scheint.

Dieses Gefühl ist so intensiv, dass es nie ganz verschwindet, wenn man es einmal durchlebt hat. Eine Narbe auf der Seele, die immer wieder mal zu schmerzen beginnt, wenn man daran rührt. Die Angst, dass es wieder passieren könnte, steckt uns ‚in den Knochen‘.

Und: Ja, es kann ja auch jederzeit wieder passieren! Leider. Das sollte man als Lerneffekt durchaus auch aus dem Tal der Tränen mitnehmen. Schließlich sollte man vorsichtig mit sich und seinen Gefühlen umgehen. Doch der größte Lerneffekt sollte sein, dass man es geschafft hat, diese Dunkelheit hinter sich zu lassen, und irgendwann wieder fröhlich lachen konnte. Dass man stark genug ist, solche Lebens-Prüfungen zu überstehen. Dass man sich selbst sicher ist, es wieder und wieder und wieder zu schaffen – wenn es nötig ist.

Liebe braucht Mut. Den Mut sich auf einen anderen Menschen einzulassen, auch wenn es schief gehen könnte. Ohne diesen Mut nimmt man sich selbst die Chance auf ein Glück zu zweit.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihr Mut in dieser Woche belohnt wird.

Ihre

Ein Kommentar

  • Das ist ein wundervoll geschriebener Beitrag, über den ich glücklich bin, ihn gelesen zu haben und ja, bis zum Ende :-)
    Man sollte, trotz Enttäuschungen in seinem Leben darauf vertrauen die wahre Liebe zu finden, genau diesen einen Menschen, der einen so restlos glücklich machen kann und auch wird. Natürlich gibt es kleine Kabbeleien, das bringt der Alltag so mit sich und natürlich ist man nicht immer einer Meinung und man bekommt auch mal Streit.

    Ich prsönlich kannte es nie zu streiten und genau da lag das Problem. Wieso sollte man seine Meinung kund tun und damit einen Streit anfangen? Es ist doch viel einfacher nachzugeben und Ruhe ist.

    Heute habe ich eine neue Beziehung und muss diesmal meinen Mund aufmachen und meine Meinung sagen, was nicht immer leicht ist. Man hat mir schon meine Bettsachen auf die Couch gebracht und genau da habe ich dann geschlafen. Am nächsten Tag war es noch etwas seltsam und irgendwann loiegt man wieder in den Armen des Mannes den man so sehr liebt.
    Auf die Frage, ob er denn an uns zweifelt wenn wir uns gestritten haben kam ein “NEIN”!!!!!!!

    Was also bitte gibt es Schöneres im Leben als mit dem Mann zusammen zu sein, den man liebt, der einen selbst liebt, mit ihm die schönsten Momente zu erleben und mit ihm so zu streiten das die sprichwörtlichen Fetzen fliegen?!

    Und ja, wenn man zu schüchtern ist oder zu beschäftigt, sollte man die Möglichkeit in Betracht ziehen, den Partner für`s Leben bei einem Dating Portal zu finden.

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