Judith Alwin

Unglück ist, wenn das Ego die Liebe frisst!

Eine selbst erlittene Story aus meiner Vor-Internet-Zeit die beweist, dass Liebes-Geschichten, die im realen Leben starten, genauso schräg sein können wie die virtuell begonnenen. Schließlich hat man es in beiden Welten mit denselben Menschen zu tun.

***

Ausgerechnet Weihnachten!

 

Bei dem einzigen Fest im Jahr, bei dem sogar hart gesottene Singles an ihrer Daseinsberechtigung zweifeln, musste ich natürlich wieder in den großen Pool der Partnerlosen zurückfallen. Na toll! Dabei hatte ich einen wirklich schönen Sommer mit Thole (Name geändert) verbracht.

Ich hatte ihn im Februar kennengelernt. Ein gelungener Verkupplungs-Versuch meiner Model-Kollegin Betty – gleichzeitig die beste Freundin seiner EX-Partnerin! Was ja an sich schon eine äußerst schräge Kombination ist, die mir auch noch viel Ärger eingebracht hat!

Ich durchlebte zu dieser Zeit so eine Phase meines Single-Lebens, in der ich langsam den Glauben an Mr. Right verlor. Ganz schlimm für eine 40-jährige Single-Frau. Auch wenn sie noch aussieht wie hööööööchstens 39 ;-)

Älter sollten Frauen sowieso nicht werden, war die Überzeugung meiner Freundin Olivia damals. Dann würden sie langsam unsichtbar für die Männerwelt. (Anm.: Das war in Olivias Vor-Internet-Phase. Nach ihren ersten Schritten im Netz, zig Tonnen virtueller Fanpost nebst sehr anregenden und aufregenden Dates im realen Leben, war Olivia inzwischen von dieser Meinung abgerückt.)

Außer meiner bauernschlauen Freundin Olivia gab es in meinem Leben auch noch meinen guten Freund George. Jede Frau sollte einen schwulen Freund als Übersetzer männlicher Verhaltensweisen haben. Mit ihm konnte ich alle anfallenden zwischen-‚männlichen’ und sonstigen Probleme jederzeit auszudiskutieren.

George heißt natürlich im ‚richtigen Leben’ nicht George. Er sieht aber ähnlich gut aus wie George Clooney – deshalb dieser Name – und wirkt, trotz seiner Vorliebe für männliche Partner, selbst auch ausgesprochen männlich. Für die meisten meiner Freundinnen ist er DER Traummann schlechthin. Er verursacht bei einigen sogar Sprechstörungen, wenn sie auf ihn treffen.

Ich habe ihn vor einigen Jahren bei einem Fototermin kennen gelernt. Wir mimten damals ein Ehepaar. Seither hängen die entstandenen Fotos großformatig in der Wohnung meiner Eltern. Sozusagen als personifizierter Wunschschwiegersohn meiner Mutter.

Trotz seines blendenden Aussehens arbeitet George aber nur nebenbei als Model. Im richtigen Leben ist er ein äußerst erfolgreicher Coach und schlägt sich mit Managerproblemen herum. Er ist unglaublich einfühlsam, verständnisvoll und kann wunderbar die für mich oft seltsamen männlichen Verhaltensweisen erklären. Die Tatsache, dass er Männer als Partner bevorzugt verlangt eigentlich nach einem Staatstrauertag für den weiblichen Teil der Bevölkerung. ;-)

***

Die Thole-Story – oder: wenn der Ex plötzlich wieder zum wichtigsten Mann des Universums wird…

Meine Telefonrechnung war zu dieser Zeit genauso gewaltig wie mein Liebeskummer. Tholes 190 cm pure Männlichkeit – ohne die wichtigen 20 cm gerechnet, wegen denen Frauen angeblich nicht einparken können – brauchten ihre Zeit bis sie verbal zerkleinert waren.

„….hat schon falsch angefangen“, schallte Olivias Stimme durchs Telefon. Ich hätte Thole zu sehr mit Samthandschuhen angefasst, so ihr Vorwurf. Zugegeben: Er hatte mein Mitleid erregt -  auf eine ganz männliche Art natürlich! Außerdem gehöre ich nicht zu den Frauen, die ihre Partner erziehen möchten.

Was mir an Thole imponierte: Er stieg wie Phoenix aus der Asche aus dem Schutt seiner Beziehung. Er sagte nie ein böses Wort über seine Ex, obwohl sie ihm so übel mitgespielt hatte, räumte die Reste seines Lebens und die Restmöbel tapfer aus der ehemals gemeinsamen Wohnung. Ganz alleine! (Na ja, nicht ganz. Ich musste ihn da einfach unterstützen und habe wie ein Irrwisch in seiner neuen Wohnung herumgewischt.) Er gab zu, viel geweint zu haben. (Jetzt mal ehrlich: Jeder Frau geht da doch das Herz auf, oder? Außer sie heißt Olivia!) Olivia fand, ‚frau’ musste einen Mann von Anfang an in seine Grenzen weisen. Später ginge da nichts mehr zu reparieren. Ich ticke da deutlich anders. Ich erwarte erwachsenes Verhalten und das freiwillige Einhalten normaler zwischenmenschlicher Grenzen.

Tholes Schicksalsschlag lag erst etwa zwei Monate zurück als wir uns kennenlernten, was natürlich auch bedenklich war. Eine Art übles Weihnachtsgeschenk seiner Ex. Zusammen mit den 11 Jahren, die er in dieser Beziehung lebte, dem zehnjährigen Sohn, der Tatsache, dass ER verlassen wurde – und dann noch für eine andere FRAU, nicht etwa wegen eines anderen Mannes! – ergab, fand Olivia, ein ganz dickes warnendes „ !“.

Seine Ex hatte sich – für ihn spontan, alle Anderen wussten es aber schon lange – entschlossen mit dem gemeinsamen Sohn direkt nach Weihnachten zu ihrer lesbischen Freundin Jerry zu ziehen, die Millionärin sein sollte.

„Die große Liebe“, wie sie in einer selbst verfassten Zeitungs-Story an die große Glocke hing. Sie arbeitete als Journalistin, war also auch eine Kollegin von mir, innerhalb meines zweiten Berufsfeldes. Ich hatte sie aber nie zuvor getroffen.

Dumm nur, dass Magazine einen Vorlauf von einigen Wochen haben. Mit Veröffentlichung war die große Liebe schon wieder ziemlich abgekühlt, wie ich aus erster Hand von ihrer besten Freundin, meiner Model-Kollegin und Thole-Vermittlerin Betty erfuhr. Inzwischen war nämlich herausgekommen, dass der Millionär-Status von Jerry, der neuen Lebenspartnerin von Tholes Ex, längst der Vergangenheit angehörte, was die lesbische Liebe doch deutlich schmälerte.

Ich dagegen war heiß verliebt und – dank Betty – in jeder Phase bestens über das neue Leben von Tholes Ex informiert, auch wenn ich vieles davon am liebsten gar nicht gewusst hätte. Bettys Mitteilungs-Drang war aber einfach nicht zu bremsen. (Jeder hat halt die Freunde, die er verdient.) Mir war natürlich klar, dass Betty der ‚anderen Seite’ gleichermaßen Bericht erstattete. Das machte mir aber nicht viel aus. Ich hatte schließlich nichts zu verbergen.
Thole war natürlich ‚not amused’ über die öffentliche Berichterstattung seiner Ex, die sich – gegen jegliche Presse-Ethik -  mit  kompletter Namensnennung nebst Familien-Foto mit Jerry UND dem zehnjährigem Sohn über eine halbe Seite eines bekannten Hochglanzmagazins erstreckte.

Der Zeitungsmann in Tholes Straße wunderte sich sehr darüber, dass besagte Zeitung, trotz mehrfacher Nachbestellungen, immer wieder ausverkauft war. Thole war somit einer der Letzten, die en Detail erfuhren, warum seine EX sich von ihm getrennt hatte. Er erfuhr viele neue Trennungsgründe – bis hin zum unerfüllten Sexualleben!

 

Wenn die rosarote Brille den Blick trübt

Weibliche Logik – zumindest meine –  ließ mich glauben, dass so ein frauenzeitungstechnisch durch den Kakao gezogener Ex nie wieder ein Wort mit der Verflossenen reden würde. Falsch gedacht. Die Wutattacke seinerseits verpuffte ungehört von seiner Ex. Aber leider nicht von mir. Ich hatte alle Hände voll zu tun den Mann wieder zu beruhigen, denn schließlich waren ja mein und sein Wohlfühlfaktor eng miteinander verbändelt. (Olivia sagte dazu etwas wie „rosarote Brille“ ….).

In dieser Zeitschrift sah ich dann auch das erste Mal ein Foto von Tholes Ex: Eine schmale, fast dürre Person mit einer seltsam abstehenden rotblonden Frisur, viel zu hoch platzierten, dunklen Augenbrauen, was ihrem Gesicht einen Hochmütigen Ausdruck verlieh. Ihre neue Partnerin Jerry, wirkte daneben doppelt massig, fast quadratisch. Der zehnjährige Sohn kam deutlich nach seiner Mutter. Schade für ihn. Hatte Papa doch alles, was Männer so brauchten: Thole war ein hübscher Kerl: Groß, kräftig mit einer knuddeligen, kleinen Speckschicht über dem Sixpack. Dazu die großen braunen Knopfaugen und der niedliche Schmollmund. Typ: „Starkes Bärchen“ …..Sorry, ich gerate gerade – sozusagen posthum – ins Schwärmen. Ich bin kein nachtragender Mensch und behalte gerne die schönen Seiten in Erinnerung, die zu diesem Zeitpunkt auch noch überwogen.

Irgendwann kam, was kommen musste: Mein erstes Zusammentreffen mit Tholes Ex. Auf einer Sommer-Party einer Freundin von Thole. Fast hätte dieses Treffen nicht stattgefunden, weil SIE nicht kommen wollte falls ICH dabei wäre. (Kenne ich aus den Siebzigern. Da war ich dreizehn!)
Natürlich kam sie dann doch. Ich hielt das Ganze bis dahin noch für mit-einem-Handschlag-und-nettem-Gespräch-aus-der-Welt-schaffbar. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass eine erwachsene Frau so kindisch reagieren konnte. Hatte sie doch zuvor ganz gönnerhaft dem, von ihr Verlassenen, eine „nette Frau“ gewünscht (ok, bin ich …), „mit einem guten Charakter“ (ok, habe ich … ),…vorzugsweise aber bitte in Kugelform mit den Idealmaßen 60-90-60 (…kann ich leider nicht mit dienen!).

Letzteres schien einer der Hauptgründe ihrer nachfolgenden Kriegshandlungen zu sein, denn mehrfach hat mir Betty davon berichtet, dass das Thema „Spieglein-Spieglein-an-der-Wand…“ wohl immer wieder als Diskussionspunkt im Raum stand. Die Frage: „Wie sieht Judith denn aus?“ beantwortete meine Model-Kollegin Betty ganz uneigennützig mit: “Gut natürlich. Sie ist Model!“

Zurück also zur Party. Es war ein hochsommerlicher August-Abend. Kaum hatte ich mit Thole die schöne Altbauwohnung in einer der bevorzugten Hamburger Wohngegend betreten, traf ich auch schon in der geräumigen Diele auf Tholes Ex. Wir waren umzingelt von vielen anderen Gästen, die auch schon interessiert schauten, was jetzt wohl passieren würde. In solchen Situationen ergreife ich gern die Initiative, zumal ich immer noch der Meinung war, dass sich nach dem ersten Kennenlernen alles zum Besseren wenden würde.

Ich ging also freundlich lächelnd auf Tholes Ex zu und sagte „Hallo,…“ Fragend lächelte sie zurück. Ich gab ihr die Hand, die sie auch freundlich ergriff und vervollständigte den Satz „…ich bin Judith“. Keine drei Sekunden und sie war weg!

Betretenes Schweigen und Schulterzucken der anderen Gäste. Thole selbst versuchte sich derweil als Chamäleon und verschmolz mit der Wand. Von ihm war also keinerlei Unterstützung zu erwarten. Feigling!

 

T-Rex auf Männerjagd!

Da hätte es mir schon auffallen müssen, sagte Olivia. Ein Mann ohne Rückgrat!!! George dagegen – er ist Coach mit Leib und Seele – fand, dass man nichts übereilen möge und dem armen Thole – wir erinnern uns: auf ganz schmähliche Art verlassen … – doch noch eine oder auch mehrere Chancen einräumen sollte….

Ich war auch noch nicht bereit aufzugeben, weil ich trotz dieser seltsamen Erlebnisse immer noch auf die menschliche Intelligenz setzte und wir bis dahin wirklich viele schöne Stunden miteinander verbracht hatten.

Der Abend verlief ohne große Zwischenfälle, die Thole aber offensichtlich befürchtete, denn er hielt sich an einer Flasche Bier fest und sich von ihr und mir (!) fern. Keiner der Partygäste, die ich alle nicht kannte, mit denen ich mich aber trotzdem sehr gut unterhielt, hätte erahnt, dass wir ein Paar waren. (Dazu sagte Olivia gar nichts, aber ihr Blick!)
Apropos Blick: Die kalten Augen von Tholes regulärer Ex (im weiteren Text der Einfachheit halber als T-Rex bezeichnet) taxierten mich durch die Terrassentüre, was diesen wundervollen warmen Augustabend aber nicht abkühlen konnte. ICH saß schließlich nicht im überhitzten Wohnzimmer. Nein, ich hielt die Terrasse besetzt – und ihren Ex! Was sie mir – beides – sichtlich übel nahm.

In den nächsten Wochen, war Thole der begehrteste Mann Hamburgs – zumindest für seine Ex! Die plötzlich – trotz ihrer lesbischen „großen Liebe“ – alle Register zog, um den von ihr Verlassenen wieder zurück zu bekommen. Sogar Freunde hatten die Aufgabe Thole daran zu erinnern, dass er seinem Sohn doch nur dann ein guter Vater sein konnte, wenn die Familie wieder zusammen käme…

***

Ende des ersten Teils. Bis hierher dachte – oder besser – hoffte ich noch, dass sich alles zum Guten wenden würde. Auch das ist ja ein wohlbekannter Vorgang, wenn man virtuell auf seinen vermeintlichen Traumpartner gestoßen ist, sich aber nach den ersten Treffen einige Ungereimtheiten einschleichen.

Ist er / sie es? Oder sind das untrügliche Anzeichen, dass da doch Wesentliches nicht stimmt? Woher soll man das an dieser Stelle wissen? Ich wusste es auch nicht. Erst hinterher ist man schlauer. Heute weiß ich: Diese Beziehung hatte gar keine Chance. Und ich weiß auch: Das war gut so!

Wie’s weiter geht verrate ich Ihnen in der nächsten Woche.

 

Bis dahin wünsche ich Ihnen einige – hoffentlich – erholsame Tage bis zum Fest.

 

Ihre

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